Geschichte des Feldbataillons Lauenburg, 1813 - 1815

 

Proklamation des Obersten Tettenborn an die Einwohner des Herzogtums Lauenburg vom 19.03.1813.

Der Jubel, womit Ihr die russischen Truppen in Eurer Mitte aufgenommen habt, und die Bereitwilligkeit, womit sich schon einige Gemeinden unter Euch bewaffnet haben, um die Feinde abzuwehren, bürgen meinem erhabenen Monarchen für die Richtigkeit Eurer Gesinnungen, und für Euren kräftigen Willen, daß das Werk der Rettung Deutschlands nicht ohne Euch vollbracht werde.
Doch Ihr Lauenburger, Eure Anstrengungen müssen allgemein seyn, und mit Weisheit geleitet werden, um Nutzen zu bringen.
Auf denn also, zu den Waffen, jeder der sich wehrhaft fühlt, wie Eure Brüder in Osten und Norden Euch bereits das Beispiel geben, und völlig Gut und Blut an die Freiheit gesetzt.
Ihr werdet Anführer erhalten, die Euch unter Euren eigenen Fahnen zu Sieg und Ruhm führen werden.

Hamburg, den 7./19. März 1813

Der Russisch-Kaiserliche Oberste
und Commandant eines Corps
der Armee des Grafen von Wittgenstein
Baron von Tettenborn

Quelle: Sammlung der Hannoveranischen Landesverordnungen und Ausschreiben 1813-1814

Organisation und Aufstellung in Ratzeburg

Der ehemalige Major (7. Linienbataillon der KGL, King's German Legion) August von Berger begab sich nach der Befreiung Hamburgs am 17. März 1813 durch russische Kosaken unter Oberst von Tettenborn nach Hamburg, wo er von Tettenborn die Vollmacht zur Aufstellung eines Infanteriebataillons im Lauenburger Raum erhielt. Die obige Proklamation an die Lauenburger gab den Anstoß für die Bürger sich freiwillig zum Dienst in Ratzeburg zu melden. Mehr als 1000 Freiwillige meldeten sich in Ratzeburg für das aufzustellende Bataillon, die Diensttüchtigen wurden aufgenommen, indem mit ihnen eine Kapitulation geschlossen wurde, die sie verpflichtete bis 6 Monate nach abgeschlossenen Frieden zu dienen.
Das Feldbataillon Lauenburg wurde sodann in Ratzeburg aufgestellt und erhielt einen Etat von acht Kompanien und wurde vorerst notdürftig ausgerüstet, wobei die Erstausstattung aus roten Ärmelwesten, weißen Hosen, blauen Mützen und einigen, größtenteils unbrauchbaren Gewehren bestand. Ende März begann man mit den ersten Exerzierübungen. Als Instruktoren dienten ehemalige kur-hannoversche Offiziere und Unteroffiziere, zu denen sich Freiwillige als Aspiranten zu Offiziersstellen gesellten. Der Commandeur war Major von Berger, Leutnant von Waltersdorff war der Adjutant und der Regiments-Quartiermeister war Leutnant Spall. (1)

Die Ausrüstung in Bergedorf

Die Damen Ratzeburgs hatten zwischenzeitlich zwei Fahnen gestrickt, als das Feldbataillon Lauenburg am 8. April mit ca. 600 Mann von Ratzeburg aus, wobei die restlichen Männer als Depot in Ratzeburg verblieben, nach Bergedorf marschierte, wo sie die englische Ausrüstung erhalten sollten:

"Rote Uniformen mit Schnüren, Beinkleider und Mäntel, Czakos, Tornister, kleine Montirungsstücke aller Art, Gewehre und Munition erhielt das Bataillon auf mehr als tausend Mann. Die Unteroffiziere erhielten noch Spontons, Degen und rot- und blaugestreifte Schärpen .... Auch das Offizier-Corps trug die englischen Feldzeichen, begnügte sich jedoch vorläufig mit blauen Oberröcken, bis es in Meklenburg rothe Uniformen, denen der englischen Garde ähnlich, anlegte..." (2)

Die Aufschlagfarbe der Uniformen müsste folglich blau gewesen sein. Die Art der Regimentslitze, die Farbstellung und ob welche vorhanden war, ist bedauerlicherweise nirgendwo überliefert, wir gehen allerdings davon aus, dass auch dieses Bataillon naturweiße Litze mit einem blauen ofcenter Streifen hatte, genau wie das 5. Linienbataillon der KGL, mit dem das Feldbataillon Lauenburg eng zusammen arbeitete.

Exerziert wurde nach dem englischen Reglement (Rules and Regulations by his Majestys Command), von dem nur ein schriftliches Exemplar vorhanden war, so dass die jungen Offiziere es schriftlich niederlegen mussten. (3)
Im Jahre 1813 wurde im Hannoverschen ein deutschsprachiges "Manual für die Ausbildung der Leichten Truppen der Königlich Deutschen Legion" herausgegeben. (4)
Berichten zufolge soll es von den jungen Offizieren, denen es diktiert wurde, publiziert worden sein, um dem Mangel an Verständnis der Befehle abzuhelfen, denn viele der Soldaten die nach England überschifften hatten das nötige Vokabular zwischenzeitlich erlernt und wussten um die sprachlichen Barrieren. Da noch geeignete Soldaten und Instruktoren fehlten, schickte England ca. 400 Mann der King's German Legion (KGL), diese wurden in kleineren Abteilungen allen neu errichteten hannoverschen Truppenteilen beigestellt, um bei deren Ausbildung behilflich zu sein. Am 30. April kam Major Müller (2. Linienbataillon, Kommandeur) zum Feldbataillon Lauenburg nach Bergedorf.

Das inzwischen auf 800 Mann angewachsene Feldbataillon Lauenburg blieb erst einmal in Bergedorf, wurde dort exerziert und auch das Schießen musste geübt werden, denn die Männer waren ja noch gänzlich unerfahren. Die zehn besten Schützen einer jeden Kompanie wurden als Scharfschützen ausgesetzt, zur Kompanie zusammengezogen, und an die Leutnants von Klencke und Graf von Kielmansegge übergeben (3). In Bergedorf verweilte das Lauenburger Feldbataillon bis zum 9. Mai in Reserve.

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